Ein kulinarischer Ausflug aufs Weingut Schloss Wackerbarth


„Erlesen bodenständig“: Sächsische Weine und vegane Köstlichkeiten

Äußerst charmant beschreibt der Kellermeister Jürgen Aumüller des Sächsischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth das einzigartige Ensemble am Rande Radebeuls – dem Herzstück der Sächsischen Weinstraße: „Schloss Wackerbarth ist eine Cuvée aus barocker Gartenanlage, Weinberglandschaft und moderner Wein- und Sektmanufaktur. Eine immer wieder aufs Neue beeindruckende Symphonie aus Landschaft, Kultur, Architektur, Technik, Geschichte und natürlich nicht zuletzt unseren erlesenen Weinen und Sekten.“ Ein Erlebnis eben. Und so erklärt sich unter anderem der Namenszusatz: Schloss Wackerbarth – Europas erstes Erlebnisweingut.

„Das trifft es in der Tat“, denke ich mir, als ich die imposante Anlage, rund 10 Kilometer von Dresden entfernt, betrete. Schloss Wackerbarth ist ein erhabener Ort mit über 400-jähriger Weintradition. Schon der Hof August des Starken feierte hier rauschende Feste. Man kann es ihm nicht verdenken: Die Schlossanlage mit den pittoresken Weinbergterrassen und dem sagenumwobenen Lustschlösschen Belvedere, hoch über der Stadt, bot bereits im 17. Jahrhundert ein angemessenes Ambiente für rauschende Feste. Heutzutage fallen die Feierlichkeiten und Tagungen, die hier organisiert werden, etwas gediegener aus. An Attraktivität hat das Gut aufgrund aufwendiger und detailverliebter Sanierungen, insbesondere nach der Wendezeit, nichts eingebüßt.

Von den 13 deutschen Weinregionen gehört Sachsen zu den kleinsten Anbaugebieten und ist zudem die nordöstlichste Bewirtschaftung Europas. Das Weinbaugebiet erstreckt sich heute entlang der Elbe von Pirna über Dresden bis hin zum Elbweindorf Diesbar-Seußlitz, das nordwestlich von Meißen liegt.

Sächsische Gelassenheit und kulinarische Raffinessen im Gasthaus

Mein Rundgang führte mich ins Restaurant von Schloss Wackerbarth. Das Küchenteam um Chefkoch Mirko Pfuhland verarbeitet ausschließlich marktfrische, saisonale Produkte. Wann immer möglich, stammen diese aus der Region. Bodenständig-sächsische Kompositionen, verfeinert durch mediterrane Einflüsse, offeriert die Menükarte. http://www.schloss-wackerbarth.de/deutsch/unser-gasthaus/speisekarte. Weine aus dem hauseigenen Weinkeller runden die Gerichte harmonisch ab. Preislich siedelt sich die Speisekarte im guten Mittelfeld an. Das Gourmet-Magazin DER FEINSCHMECKER zählt die Lokalität zu den 800 besten Restaurants in Deutschland und bewertet sie mit 1,5 F.

Schloss Wackerbarth ist nicht nur Europas erstes Erlebnisweingut, sondern auch die zweitälteste Sektkellerei Deutschland. Entsprechend wurde als Aperitif ein Glas Sekt „August der Starke“ gereicht. Eine Cuvée aus den Rebsorten Riesling, Kerner, Weiß- und Grauburgunder sowie Elbling, gereift nach klassischer Flaschengärung. Die Klassische Flaschengärung – auch „Méthode champenoise“ genannt – ist die Urpraktik der Sektherstellung. Hierbei erfolgt die zweite alkoholische Gärung des edlen „Verschnitts“ aus den verschiedenen Rebsorten in der Flasche. Der Sekt ruht und reift mehrere Monate auf seiner Hefe im dunklen und kühlen Keller. Anschließend wird er vier Wochen lang von Hand gerüttelt. So entfaltet sich das fruchtige Bouquet und die feine Perlage.

Fruchtiger Riesling verführt zarte Gräupchen und süßen Dinkel

Monatlich wechselnde vegetarische Gerichte haben sich einen permanenten Platz auf der Karte erobert. Und auch Veganer können unbesorgt im Gasthaus einkehren. Als Entreé servierte mir der überaus zuvorkommende Restaurantleiter einen veganen Gräupcheneintopf (9.50 €). Als Weinbegleitung wählte ich einen 2012er Riesling Kabinett trocken. Eine fantastische Wahl, denn das fruchtige, mineralische und doch zurückgenommene Bouquet des trockenen Weißweins harmonierte wunderbar mit der kräftigen Würze des Eintopfs. Das Graupensüppchen mit Karotten-, Lauch-, Sellerieeinlage und Schnittlauch, übrigens ein typisch sächsisches Gericht, war köstlich. Eine einfache, leichte Vorspeise. Auf jeden Fall probieren: das hausgebackene, knusprige und leicht süßliche Dinkelbrot.

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Hausgeräucherter Tofu badet in Scheurebe und küsst Rosenkohl und Radieschen

Ein im Weinteig gebackener Tofu an sautierter Trüffelkartoffel mit Sojaschäumchen bildete meinen Hauptgang. Radieschensprossen und Rosenkohlragout, mit einem Hauch Muskat und Zitrus verfeinert, verliehen dem Gericht eine angenehm pikante Note. Der Tofu in Bioqualität wird vor dem Panieren im hauseigenen Ofen schonend geräuchert. Das Raucharoma schmeckte angenehm mild. Für den goldgelben, veganen Weinteig wurde indes derselbe Wein verwendet, der sich passend zum Gericht auch auf der Karte als Empfehlung wiederfindet.

Ich muss gestehen, dass ich mit der Weinempfehlung zum Hauptgericht nicht ganz einverstanden war. Empfohlen wurde ein 2013er Scheurebe Kabinett trocken. Ein sehr würziger Weißwein mit Aromen von fruchtigen Pfirsichen, Johannisbeeren und einem Hauch exotischer Mango. Ich empfand die Charakteristik dieser Weinauswahl als zu „mächtig“ und bevorzugte auch zu diesem Gericht den bereits gewählten Riesling mit seiner frischen, leichten Säure und zarten Süße.

Ein Dessert wählte ich nicht. Die Auswahl an hausgemachten Kuchen, Torten, süßen Teilchen, Eis und Sorbets sah aber sehr verlockend aus. Vegetarier dürften sich auch über eine kleine, feine Auswahl an sächsischen Käsespezialitäten erfreuen.

Da ein Ausflug zum Weingut sicherlich nicht jeden Tag auf dem Programm steht und die Qualität der Speisen und hauseigenen Weine absolut überzeugen, finde ich diese Preisspanne absolut gerechtfertigt.

Ein Hinweis zur Wein- und Sektproduktion des Weinguts Schloss Wackerbarth: Die Erzeugnisse sind NICHT vegan.

Die Produkte werden mit Gelatine geschönt bzw. geklärt. Diese Zutat wird im weiteren Verarbeitungsprozess wieder herausgefiltert. Jedoch ist dieser Hinweis für Veganer sicherlich wichtig. Gelatine, Fischblase, Milchpulver oder Hühnereiweiß werden traditionell als Klärungsmittel bei Wein, Sekt aber auch Säften eingesetzt, um die unerwünschten Trübstoffe herauszufiltern und Bitterstoffe zu neutralisieren. Die Weinerzeugung basiert grundsätzlich auf der Vergärung von Trauben. Wein oder auch Most ist ursprünglich ein veganes Ausgangsprodukt. Zur Schönung bzw. Klärung veganer Weine sind lediglich vegetabile, mineralische Quellen wie Aktivkohle, natürliche Mineralerde (Betonit) oder pflanzliche Gelatine zugelassen.

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Wo liegen die Wurzeln des Schloss Wackerbarth?

August der Starke, sächsischer Kurfürst und König von Polen, war für seinen ausschweifenden Lebenswandel berüchtigt – jedoch auch für seine ausgeprägte Liebe für Kunst und Kultur bekannt. Er brachte die prachtvolle Architektur, die er an den Höfen des westlichen und südlichen Europas schätzen lernte, nach Dresden.

Während seiner Regierungszeit entstanden im 18. Jahrhundert Gemäldesammlungen wie das “Grüne Gewölbe”, barocke Bauwerke wie Schloss Moritzburg, der Dresdner Zwinger, die Dresdner Frauenkirche sowie die erste abendländische Porzellanmanufaktur in Meißen um 1710. Die Würdigung der prunkvollen Kunstsammlungen Dresdens und seiner pompösen Architektur im In- und Ausland brachte Dresden schließlich den Beinamen “Elbflorenz” ein. Und so übertrug sich der Leitspruch „Klasse statt Masse“ auf die Wein- und Sektwirtschaft vor den Toren der sächsischen Hauptstadt.

August der Starke, sächsischer Kurfürst und König von Polen, war für seinen ausschweifenden Lebenswandel berüchtigt – jedoch auch für seine ausgeprägte Liebe für Kunst und Kultur bekannt. Er brachte die prachtvolle Architektur, die er an den Höfen des westlichen und südlichen Europas schätzen lernte, nach Dresden. Während seiner Regierungszeit entstanden im 18. Jahrhundert Gemäldesammlungen wie das “Grüne Gewölbe”, barocke Bauwerke wie Schloss Moritzburg, der Dresdner Zwinger, die Dresdner Frauenkirche sowie die erste abendländische Porzellanmanufaktur in Meißen um 1710. Die Würdigung der prunkvollen Kunstsammlungen Dresdens und seiner pompösen Architektur im In- und Ausland brachte Dresden schließlich den Beinamen “Elbflorenz” ein. Und so übertrug sich der Leitspruch „Klasse statt Masse“ auf die Wein- und Sektwirtschaft vor den Toren der sächsischen Hauptstadt.

Namensgeber des Anwesens ist August Christoph Graf von Wackerbarth, ein enger Vertrauter und einer der wichtigsten Minister August des Starken. Er war General, Kabinettsminister sowie Gouverneur Dresdens. Darüber hinaus begründete er das sächsische Hochschulwesen und die sächsische Militärakademie. Graf von Wackerbarth ließ das Anwesen inmitten der Radebeuler Weinberge als seinen Alterssitz erbauen. Der Architekt Johann Christopf Knöffel lieferte nicht nur 1722 den ersten Entwurf zum Bau der Frauenkirche; er errichtete ebenso um 1728 das Weingut Wackerbarth mitsamt seiner glanzvollen Bauten und der großzügigen Gartenanlage. Nach dem Tode des Grafen 1734 ging das Gut in den Besitz seines Adoptivsohnes Joseph über. Nach dessen Tod wurde das Anwesen versteigert, der Erlös den Armen gestiftet.

Bis zur Wendezeit verlief die Geschichte der Weinwirtschaft recht wechselhaft.

Am 1. September 1999 wird schließlich die „Sächsische Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth“ als hundertprozentige Tochter der Sächsischen Aufbau Bank SAB gegründet. Ab dem Jahr 2000 beginnen die Sanierungsarbeiten, bei denen eine Produktionsanlage für Wein und Sekt mit modernster Aufbereitungstechnik installiert wird – direkt an der Eingangspforte des Gutes.

Mit der Weinbewirtschaftung geht´s buchstäblich „steil bergauf“

Als Staatsweingut pflegt und fördert Schloss Wackerbarth die sächsische Weinkulturlandschaft mit seinen landschaftsprägenden Steil- und Terrassenlagen. Jene Lagen, wie die königliche Weinbergslage „Goldener Wagen“ oder der „Wackerbarthberg“, sind kulturhistorisch bedeutsame Baudenkmäler, denn sie formen seit Jahrhunderten das charakteristische Bild des Elbtals. Eine Bewirtschaftung solch steiler Lagen ist nur in reiner Handarbeit möglich. Technische Hilfsmittel wie etwa Traktoren sind in diesen Abschnitten nicht einsetzbar. Daher erfolgt das Setzen der Reben, die Unkrautpflege zwischen den Rebzeilen, der Rebschnitt wie auch die Traubenlese manuell. Mit 1570 Stunden Sonnenschein pro Jahr und einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 9,2° C ist das Elbtal die wärmste Region in Sachsen. Perfekte Bedingungen also für exquisite Wein- und Sektjahrgänge!

Ich danke dem Weingut Schloss Wackerbarth sehr herzlich für die wirklich wunderbare Betreuung. Ich durfte eine spannende Führung durch die Anlage, das Schloss und die Kellerei inklusiver einer Wein- und Sektverkostung genießen. Im Restaurant wurden mir die aufgeführten Weine zur Verkostung freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Fakt & Figures zum Erlebnisweingut Schloss Wackerbarth

Anreise:

Von der Dresdner Altstadt etwa 10km entfernt, ist die Anlage mit dem Auto in 20 Minuten zu erreichen. Mit der Straßenbahnlinie 4 fährt man ab Dresden in Richtung Weinböhla, bis zur Haltstelle “Schloss Wackerbarth” oder mit der S-Bahn S1 bis zum Bahnhof Radebeul West. Vom Bahnhof aus, sind es noch ca. 15 Minuten Laufzeit.

Besichtigung:

Eine Besichtigung des Weingutes Wackerbarth ist täglich möglich. (barocke Schloss- und Gartenanlage inklusive Weinberge). Die Gebäude des Areals selbst wie das Schloss Wackerbarth sind nicht öffentlich zugänglich, können aber im Rahmen einiger angebotener Führungen sowie Abendveranstaltungen ebenfalls besichtigt sowie für eigene Veranstaltungen, wie Hochzeiten gebucht werden.

Öffnungszeiten:

Der Markt im Schloss Wackerbarth ist täglich von 9.30 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet. Das Gasthaus auf dem Gelände des Weingutes hat Montag bis Freitag von 12.00 Uhr bis 22.00 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr geöffnet.

Führungen:

Auf Schloss Wackerbarth werden täglich verschiedene Führungen inklusive Verkostung angeboten: Wein- und Sektführungen, aber auch Schloss- und Gartenführungen, historische Führungen sowie am Wochenende und an Feiertagen eine geführte Weinbergswanderung mit Verkostung. Darüber hinaus bietet das Weingut eine Vielzahl weiterer genussvoller Angebote – wie regelmäßige Verkostungen, themenbezogene Menüs, Abendveranstaltungen, Open Air-Feste sowie kulturelle Höhepunkte, wie u. a. Lesungen und Konzerte, an.

Link zum Schloss Wackerbarth

new kids on the blog – Wir sind Foodies

Ein Artikel über die Berliner Foodblog-Szene und ich bin auch mit dabei…

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Food Blogs bei Paetzold´s Pop Cuisine

Berliner Food Blogs, wie u.a. veggie & wine, werden auf Radio Eins vorgestellt:

FoodBlogs

Neulich gab es Apfeltarte…

Gemeinsam mit Sebastian Hahne, dem wunderbaren Koch vom Sat1-Frühstücksfernsehen, backte ich eine leckere Apfeltarte.

Sat1-Beitrag

Hier geht´s zum Beitrag

veggie & wine in London unterwegs

Ich war in London unterwegs und schlemmte mich durch einige Veggie-Restaurants der englischen Metropole. Über meine Eindrücke berichte ich in der wunderbaren Food-Zeitung EssPress (August 2014).

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