Das Raskolnikoff in Dresden

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Meinen Blog starte ich mit einem Bericht über das Raskolnikoff in Dresden. Während des Gespräches mit Neuinhaber und Betreiber Ralf Hiener erfuhr ich von der spannenden Geschichte dieses Restaurants.

Wenn ihr also Zeit und Muße habt, so könnt ihr ein wenig in die spannende Geschichte des Ortes an der Böhmischen Straße 34 eintauchen.

Ganz Eilige scrollen einfach bis zur Überschrift: „ Und wie schmeckt´s nun im Raskolnikoff?“

Meine Begegnung mit dem Restaurant Raskolnikoff begann bereits, als ich ins Taxi am Dresdner Hauptbahnof stieg. Den Fahrer dirigierte ich in die Böhmische Str. 34. Gleich darauf ertönte ein „Ahhhh Sie möchten ins Raskolnikoff …“. Ja das höre ich oft. Aha. Wir steuerten also die Dresdner Neustadt an – dem Szene- und Gründerzeitviertel Dresdens. Hier befinden sich die coolsten Kneipen, die angesagtesten Clubs, Kinos und Cafés. Und eben das Raskolnikoff. Benannt übrigens nach der Romanfigur aus Fjodor Dostojewskis Epos „Schuld und Sühne: Einer Leidensgeschichte des Studenten Rodion Raskolnikow, welcher zum Mörder wird und letztlich daran zerbricht…

Bevor ich jedoch vom heutigen Restaurant Raskolnikoff und seinem neuen Betreiber, Ralf Hiener, berichte, möchte ich einen kurzen Abriss über die interessante Vergangenheit dieses Ortes geben.

Vom Gemüseacker zur Künstlerkneipe

Erbaut wurde das heutige Restaurant als Wohnhaus 1836, mitten im Epizentrum der Böhmischen Gärten. Einem sandhaltigen Gebiet, auf welchem Böhmische Landsleute Gemüse für die gesamte Bevölkerung Dresdens anbauten. So ergab sich die Namensgebung der Böhmischen Straße.

In der 80ger Jahren – zu Zeiten der DDR – zerfiel die Neustadt zusehends. Das Haus an der Böhmischen Straße 34 stand leer und wurde kurzherhand von Künstlern besetzt. Allmählich entwickelte sich dieser Platz zu einem angesagten Künstlertreff, zu einer Institution mit provisorischer Kneipe. Aufgetischt wurde, ganz nach „DDR-Manier“, was gerade verfügbar war. Man erinnere sich nur an die schöne Beschreibung JUS. Was das war? Heute Apfel- und morgen eben Orangensaft.

Zur Wendezeit war dieser Standort zu einem traurigen Elend verkommen. Sogleich sahen findige Stadtplaner an diesem Fleck zweckmäßige Neubauten vor. Die Stadtverwaltung hatte jedoch die Rechnung ohne einen zugezogenen Anwalt und passionierten Kunstliebhaber aus Süddeutschland gemacht. Dieser erwarb das Grundstück und verhinderte so seinen Abriss.

Wiedereröffnung und alte Zöpfe

Nach der Wiedereröffnung 1997 wurde die Anlage mit Vorder – und Hinterhaus von jenem Anwalt mit seiner Frau sukzessive liebevoll restauriert. So blieb auch der rustikale Charme des Vorderhauses, in dem sich das Restaurant und die Bar befinden, bestehen. Die kleine, feine Restaurantkarte bot damals Gerichte „aus allen Himmelsrichtungen“. Ganz nach dem Gusto der Neuinhaber, die begeisterte Weltenbummler und noch größere Genießer waren. Aus dem „Osten“ beispielsweise stammten die noch heute beliebten Raskolnikoff-Klassiker Bortschsch und selbstgemachte Pelmeni. Aus dem „Süden“: Marokkanische Gemüsepfanne. Beliebt war auch die Seeräuberfischsuppe, die noch bis April 2014 auf der Karte stand.
Überdies kam dabei schon immer viel Vegetarisches auf den Teller.
Das Lokal wurde bis Dezember 2013 sehr erfolgreich vom Anwaltsehepaar betrieben.

Ein Wechsel steht an

Ab 1. Januar 2014 übernahm Ralf Hiener das bei den Dresdnern sehr beliebte Restaurant.

Nach und nach wurde das Speisen und Getränkeangebot verfeinert. Die Gästeschar im Lokal ist bis heute bunt gemischt: Ob Student, Tourist, Uniprofessor oder Businesstyp – hier fühlt sich jeder pudelwohl. Die saisonal-regionale Karte des Raskolnikoff bietet köstliche Leckerbissen für jeden Geschmack: Raskolnikoff-Wochenkarte.pdf

Wichtig ist dem Inhaber Ralf Hiener die Transparenz der Bezugsquellen seiner Produkte: So lassen sich alle Zulieferer auf der Speisekarte nachvollziehen. Die Kaffee- und Schokoladenspezialitäten stammen aus einer kleinen Dresdener Rösterei Mrs. Brown. Der Schuss Milch, der die Leckereien verfeinert, stammt von einem Hofladen im sächsischen Torgau. Besonders hervorzuheben ist das wunderbar aromatische „Radebeuler Grünzeugs“, welches auch zu den vegetarischen Gemüsehäckerle gereicht wird. Alle Speisen werden mit Kräutern wie Thymian, Liebstöckel, Lorbeer, verfeinert, die auf der Dachterrasse des Hinterhauses des Raskolnikoff wachsen. Sogar Mangold und auch Schnittknoblauch werden dort selbst gezogen.

Ganz bewusst legt Inhaber Ralf Hiener mit seiner Mannschaft wert auf eine hohe Wertschöpfung, auf eine ausgezeichnete Qualität der Lebensmittel und auf die gesamte Verwendung von Fleisch, Fisch und Gemüse.

Ab November lädt Ralf Hiener übrigens zu abwechslungsreichen und themenbezogenen Kochkursen in sein ausgebautes Kochstudio ein.

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Und wie schmeckt´s nun im Raskolnikoff?

Ralf Hiener war so freundlich, mich in das Raskolnikoff einzuladen, damit ich das wunderbare vegane Speisenangebot des Restaurants verkosten konnte. Und eines vorweg: Ich war schlichtweg begeistert!

Den Auftakt bildete eine Vorspeise, die bereits zu den früheren Künstlertagen auf der Karte stand – ein „Ras-Klassiker“ also: Bortschtsch – mit viel Wurzelgemüse und für mich ohne Schmand. Grundlage dieser fantastisch fruchtig-würzigen, klaren Suppe mit den herrlich bissfesten Rote Beete-Stückchen, bildet ein aromatischer Gemüsefond. Eine Art Basenbrühe aus unter anderem Paprika, gelbe und Bundmöhren, Knollensellerie, Pilzen, Erbsen und Zucchini, die ebenso für die meisten anderen Gerichte auf der Karte eingesetzt wird.

Hervorzuheben ist außerdem das fluffig-weiche Brot mit herrlicher Kruste von der Bäckerei Emoi sowie ein 2012 Spätlese vom Weingut auf den 15 Morgen aus Rheinhessen. Beide Komponenten rundeten meine Vorspeise absolut harmonisch ab.

Als Hauptspeise wählte ich die ausdrücklich als veganes Hauptgericht deklarierte „Gegrillte Polenta mit Hokkaidokürbis – abgerundet mit einer leichten Muskat-Pfeffer-Note – grünem Gemüse und feuriger Tomatensalsa“. Als Weinbegleitung wählte ich erneut den Chardonnay.

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Außen knusprig und innen würzig und zart. So muss Polenta schmecken. Ein herrliches Gefühl auf der Zunge. Mich begeisterte besonders der unerwartete Hauch einer Olivenöl-Basilikum-Spur, die filigran auf den Teller gestrichen war. Zusammen genossen mit den Hokkaidokürbis-Streifen – einfach ein Gedicht!

Und auch der sehr nette und unaufdringliche Service hat mich außerordentlich begeistert.

Sehr zu empfehlen sind darüber hinaus die liebevoll eingerichteten Pensionszimmer, die auch aufgrund der sehr zentralen Lage in der quirligen Dresdener Neustadt fast durchgehend ausgebucht sind.

Lieben Dank, Ralf Hiener für diesen genussvollen Abend!

Meine Empfehlung also kann nur lauten: Wenn ihr mal in Dresden seid – besucht das Raskolnikoff. Hier werden bodenständige, rustikale Gerichte auf wirklich feinem Niveau in einer lockeren und angenehmen Umgebung serviert! Der ideale Ausgangspunkt, um anschließend das quirlige Treiben in der Dresdener Neustadt zu erkunden!

Restaurant Raskolnikoff
Böhmische Straße 34
01099 Dresden

www.raskolnikoff.de

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